Geronimo

Barockpinto Wallach, *2000

Foto: Claudia Rahlmeier

Geronimo lernte ich 2008 bei der Arbeit kennen. Ich sollte mit ihm Zirkuslektionen einüben und Handarbeit machen. Er war ein aussergewöhnlich aufgewecktes, talentiertes Pferd. Obwohl ich noch mitten im Biologiestudium war und wenig Geld hatte, wollte ich dieses Pferd gerne kaufen. Die Besitzerin, Daniela, wollte ihn zu diesem Zeitpunkt aber nicht abgeben, was ich nur zu gut verstehen konnte. Ich sagte Daniela aber, dass sie sich unbedingt bei mir melden sollte, wenn sie Geronimo doch verkaufen möchte. Zwei Jahre späte meldete sie sich dann tatsächlich. Ich hatte derzeit aber bereits Rocky seit über einem Jahr bei mir und daher nun noch weniger Geld als zwei Jahre zuvor. Daher musste ich traurig ablehnen. Einige Monate später gab mir Daniela doch noch eine letzte Chance, denn sie hatte nun einen Kaufinteressenten und wollte nur noch einmal nachfragen, ob ich Geronimo wirklich nicht nehmen könne. An meiner finanziellen Situation hatte sich bis dahin natürlich nichts geändert, denn ich stand kurz vor Abschluss meines Studiums. Mit wenig Hoffnung rief ich meine Mutter an und erzählte ihr davon. Ganz entgegen meiner Erwartung war sie gar nicht so abgeneigt mir ein kleines Darlehen zu gewähren. Überglücklich kaufte ich also Geronimo am 28ten Februar 2010.

Foto: Claudia Rahlmeier

Geronimos Start mit mir war ähnlich turbulent wie der mit Rocky. Ich wollte ihn in seinen neuen Stall reiten, denn er war nicht allzuweit entfernt. Schon beim Losreiten merkte ich, wie Geronimo voller Tatendrang war. Dennoch verlief zunächst alles gut; Wir kamen sogar ohne Probleme über eine Autobahnbrücke. Ein Stück dahinter wollte ich ein wenig am Waldrand entlang traben. Geronimo wäre gerne schneller gelaufen, ließ sich aber dennoch gut kontrollieren - bis es ihn plötzlich doch überkam, und er eine Serie an Freudenbucklern losließ. Ich war so überrascht und seine Buckler so gekonnt, dass ich in den Acker fiel. Geronimo lief ein Stückchen weg. Ich rief ihn, und zunächst kam er auch wieder zu mir zurück. Dann war er sich doch nicht sicher ob ich ihm vielleicht böse bin und entschied sich, doch noch ein Stück in Richtung alter Heimat zurück zu laufen. Vor der Autobahnbrücke lief er ein Stück in den Acker und wartete dann wieder auf mich. Als ich ihn am Zügel nahm, zuckte er schuldbewusst zusammen. Ich schob ihm ein paar Leckerlis zu, beruhigte ihn und führte ihn zurück zur Straße. Ich rief Daniela an und bat sie, mir ein neues Paar Zügel zu bringen, denn die waren bei der ganzen Aktion gerissen. So setzte ich also meinen Ritt nun etwas vorsichtiger fort. Wir kamen schließlich gesund und etwas erschöpft im neuen Stall an.

Foto: Claudia Rahlmeier

Geronimo ist ein sehr temperamentvolles und dominantes Pferd, aber im Umgang trotzdem unkompliziert und lieb. Im Gelände hatte ich die erste Zeit viel mit seinem starken Herdentrieb zu kämpfen, zudem war er auch noch schreckhaft und nervös, so dass das Ausreiten mit ihm nicht wirklich Spaß machte. Übung macht jedoch den Meister und inzwischen ist Geronimo auch auf Ausritten angenehm zu reiten. Auf dem Reitplatz zeigte er von Anfang an großen Eifer und viel Talent für Zirkuslektionen, Springen und besonders für die Dressur. Seine kräftige Hinterhand erlaubt es ihm, auch alte, barocke Lektionen nach de la Guérinière auszuführen, wie den Terre à Terre, den Mezair und eine kleine Ballotade. Seit einigen Jahren üben wir uns nun auch gelegentlich in der Working Equitation, bei der Geronimo großen Spaß hat. Es liegt ihm sehr, dass er beim Trail und in der Rinderarbeit selbstständig mitarbeiten darf.