Rocky

Trakehner-Mix Wallach, *2004

Foto: Claudia Rahlmeier

Rocky fiel mir in einer Anzeige auf, da er ein sehr schönes Pferd zu sein schien und dennoch sehr günstig abzugeben war. Im Anzeigentext fand ich auch den Grund dafür. Der gerade mal angerittene 4-jährige schien so manchen Ärger zu machen: Er war massiv ohrenscheu, so dass das Trensen zum Abenteuer wurde. Ebenso wurde er als machmal schwer zu bändigendes Energiebündel beschrieben. Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich oft in "Problempferden" die größten Schätze verbergen, machte ich einen Termin zum Probereiten aus. Rocky zeigte sich sehr skeptisch mir gegenüber. Beim Putzen entschied er, wo ich ihn berühren durfte und wo nicht. Als nächstes durfte ich eine viertel Stunde damit verbringen Rocky zu Trensen. Das gestaltete sich deshalb so schwierig, da man nicht in die Nähe seiner Ohren kommen durfte, geschweige denn sie berühren. Aber gut, irgendwann saß ich im Sattel mit einem Feuerstuhl unter mir. Er war nicht ängstlich oder sonderlich nervös. Im Gegenteil, er testete mich geradezu systematisch auf Schwachstellen ab.Nachdem alle Versuche, zu steigen, zu buckeln oder loszustürmen, scheiterten, versuchte er, wenigstens die Richtung zu bestimmen. Kurzum: Ich wollte rechts, er wollte links - er war ebenso hartnäckig wie ich, so dass er schließlich das Gleichgewicht verlor und wir elegant zu Boden gingen. Wir standen beide recht gefasst wieder auf, und ich stieg wieder auf. Seit diesem Moment war er wie verändert. Ich schien seinen Test wohl bestanden zu haben und durfte nun seine Mitarbeit anstatt seiner Gegenwehr geniessen. Ich konnte ihm sogar eine erste Idee eines Schulterhereins vermitteln. Ab diesem Moment war mir klar, dass ich es hier mit einem ausgesprochen intelligenten Pferd mit starkem Willen zu tun hatte. Ich kaufte Rocky am 4.11.2008, was sich noch als absoluter Glückskauf herausstellen sollte.

Foto: Claudia Rahlmeier

Im neuen Zuhause angekommen, zeigte sich Rocky nur wenig nervös, so dass ich schon bald anfangen konnte, mit ihm zu arbeiten. Mit vielen Leckerlis ließ er sich davon überzeugen, dass ich vorsichtig mit seinen Ohren umgehe. So ging auch das Trensen von mal zu mal besser und war bald gar kein Problem mehr, sofern man darauf achtete seine Ohren nicht zu knicken. Er zeigte sich bereits bei den ersten Malen reiten so unkompliziert und lernbegierig, dass ich von da an hauptsächlich ins Gelände ging. Dort durfte ich erfahren, dass mein Pferd ausgesprochen unerschrocken und lauffreudig war. Rocky lernte beim Ausreiten auf spielerische Weise Schulterherein und Travers in Schritt und Trab. Nebenbei machte ich auch Zirkuskunststücke mit ihm, die ihm großen Spaß machten.

Foto: Holger Heiss

Mittlerweile hat sich Rocky zu einem ansehnlichen Pferd entwickelt. Er ist unglaublich intelligent und liebt es, geistig gefordert zu werden. Verglichen mit Geronimo hat er nicht so viel Kraft und Energie, aber dafür liegen seine Stärken in seiner schnellen Auffassungsgabe und seinem ruhigen und sanften Wesen. Zusammen mit seinen bequemen Gängen machen ihn diese Charakterzüge zu einem perfekten Lehrpferd für Anfänger oder weniger erfahrene Reiter. Dieser Aufgabe kommt er auch mit großer Freude und Zuverlässigkeit nach. Er achtet sehr darauf, dass er niemanden verliert, und wird von selbst langsamer, wenn er spürt das sein Reiter Angst bekommt oder das Gleichgewicht verliert. Rocky hat mit seinem tiefen Halsansatz und leicht säbelbeinigen Stellung einen für die Dressur eher ungünstigen Körperbau, trotzdem beherrscht er inzwischen die Seitengänge in allen Gangarten, größere Pirouetten und eine kleine Piaffe und Passage. Die größte Schwierigkeit stellten für ihn die fliegenden Wechsel dar, die nun aber auch schon immer öfter gelingen.